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Totentanz

2. Juli 2010

Mir, natürlich, ist das alles zu bunt. Jon Burgerman ist auf eine Weise Pop Art, wie sie eigentlich schon in Burgermans Geburtsjahr 1979 niemand mehr sehen wollte: niedlich, fröhlich, buntbuntbunt. Auf den ersten Blick erinnert Burgermans Ausstellung in der Hamburger Gallerie Heliumcowboy Artspace an Keith Haring, und Haring ist immerhin seit über 20 Jahren tot.

Burgermans „Lossy Botany Lab“ versammelt großformatige Gemälde, Skulpturen aus Kunststoff, Pappe und Filz – und mittendrin einen begehbaren Pappverhau, das eigentliche „verlustreiche Botanik-Labor“. Das Gebäude ist liebevoll ausgestattet mit diversen Objets trouvés, Kritzeleien, Notizen, es riecht süßlich (was an der traurigen Banane liegt, die in der Mitte des Raumes baumelt). Und plötzlich ist die Ausstellung gar nicht mehr popbunt, plötzlich erhält die Ausstellung einen stofflichen Charakter, der sich längst nicht mehr so einfach konsumieren lässt wie Pop Art im Allgemeinen. Plötzlich glaubt man sich nicht mehr bei Keith Haring, plötzlich glaubt man sich in den organisch vor sich hinmäandernden Installationen von Jonathan Meese oder von Christoph Schlingensief. Das ist immer noch Pop, aber es ist plötzlich kein Pop mehr, der auf Einverstandensein baut, es ist Pop, der auf Divergenz gründet, der mehr Fragen stellt als dass er Antworten liefert. Und der, das schon, immer noch etwas mit Lust zu tun hat. Die Bilder vibrieren, eine tänzerische Bewegung liegt in ihnen, und dass dieser Tanz an manchen Stellen stark an einen Totentanz erinnert, ist auch nicht die Erfindung Burgermans. Aber das nervtötende Buntbuntbunt dieser Kunst wird relativiert: Burgerman braucht das Bunte, um düstere Ecken seiner Welt darstellen zu können.

Was in Hamburg fehlt, ist der performative Aspekt dieser Arbeit. „The Lossy Botany Lab“ wurde entwickelt für die Scope Art Fair in New York, dort war das Lab tatsächlich eine Art dadaistisches Labor, in dem Kunst produziert wurde. In Hamburg dagegen steht eine Nachbildung, das Labor wurde zur Installation, die Praxis zum Museum. Was ein wenig schade ist, weil man im Labor gar nicht erst auf den Holzweg geraten wäre, Burgerman als bloße Haring-Kopie misszuverstehen. Immerhin, ganz wurde das Performative nicht aufgegeben: Jon Burgerman zählt zum Umfeld des Neo-Pop-Künstlers Jim Avignon, und gemeinsam mit dem gibt er am 6. August ein Konzert in den Galerieräumen.

Edit: Das Konzert von Burgerman und Avignon ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Schad‘.

2 Kommentare leave one →
  1. Kommander Kaufmann permalink
    5. Juli 2010 19:15

    Gehst du da nochmal hin?

  2. 6. Juli 2010 07:31

    Vielleicht zum Konzert. Mal schaun.

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