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Eifelzombies

6. Juli 2010

Ich schaue ja so gut wie nie fern. Okay, bisschen Tatort mal, bisschen Fußball, bisschen Jauch. Wenn halt nichts anderes zu machen ist. Aber sonst, nee.

Doch.

Mord mit Aussicht, Dienstags, ARD: eine, wie nennt man sowas?, Krimiserie mit humoristischem Einschlag. Der Inhalt: hanebüchen. Eine Kölner Kriminalkommissarin wird strafversetzt (ich habe verdrängt, weswegen, es ist auch nicht wichtig, wichtig ist nur, dass sie aus ihrer Abneigung gegen das Landleben keinen Hehl macht), in ein Eifelkaff namens „Hengasch“ (man pflegt hier liebevoll den doofen Kalauer, der zuständige Landkreis nennt sich „Liebernich“), muss sich mit der phlegmatischen Besatzung der örtlichen Polizeistation arrangieren und würde doch viel lieber Mordfälle lösen. Und, doch, es passieren Morde in Hengasch. Und nicht nur einer: Je länger die Serie voran schreitet (momentan sind wir bei Staffel 2), desto heftiger geht’s zur Sache. Nachdem man in der heutigen Folge sah, wie sich zwei kryptoreligiöse alte Jungfern zombiehaft durch die Eifel meucheln, bekommt man echt ein wenig Angst, wie das in den nächsten Wochen weitergehen mag.
So doof der Inhalt, so großartig die Umsetzung. Diese Schauspieler: Burgtheaterstar Caroline Peters als Kommissarin, „Stromberg“-Sidekick Bjarne Mädel als Wachtmeister und DT-Ensemblemitglied Meike Droste als Polizeianwärterin machen aus der familiengerechten Vorlage das Beste und drehen sie in Richtung heftigster Comedy. Während die Drehbuchautoren Marie Reiners und Sylke Lorenz den überdrehten Spaß wieder erden, also das fiktive Hengasch als echten dörflichen Mikrokosmos vor uns ausbreiten, inklusive zerstrittener Nachbarn, dichter sozialer Kontrolle und Zerstreuungen zwischen alkoholseligen Schützenfesten und trostlosester Promiskuität. Und zwar immer mit dem Hintergrundwissen: Das gibt es alles. Und wir müssen das nicht gut finden, hier.

Man könnte noch weiter loben. Die detailverliebte Regie von Torsten Wacker und Joseph Orr. Die Gastauftritte von A-Klasse-Schauspielern wie Sophie Rois. Man kann allerdings auch nur vor sich hinkichern, in Gedenken der Zeit als man selbst aufs Land strafversetzt wurde. Ein wenig irr klingt dieses Kichern.

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