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Unter Ausbeutern

30. August 2010

„Da darf man natürlich nichts dagegen sagen“, meint der Kollege von der Lokalzeitung, als wir das Schauspielhaus verlassen. Weil da nämlich Laien auf der Bühne standen, Sechzehnjährige und Sechzigjährige, die Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen“ und Larry Clarks Film „Kids“ aufeinander prallen ließen, unter der Regie des inoffiziellen Schauspielhaus-Jugendbeauftragten Daniel Wahl. Und Laien, an die stellt man nicht Ansprüche, die man an Profi-Theater stellen würde, nein? Zumal die jungen und alten Menschen ihre Sache toll machten, zumal sie sich mit Haut und Haaren in den Exhibitionismus der Vorlagen stürzten, zumal, ach.

Und man will ihnen ja auch nicht an den Karren fahren. Man muss nur die Frage stellen: Was wollte Wahl eigentlich erzählen? Und wem? Und warum? Geht es darum, dass die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen ein Sprachlosigkeit auf beiden Seiten ist? Chapeau!, da wäre wir nicht von alleine drauf gekommen. Geht es darum, dass Pubertät schon immer eine schlimme Sache war? Oder geht es schlicht darum, dass die Dramaturgie auf den Erfolg bei Kritikern und Publikum schielt, weil: „Da darf man natürlich nichts deagegen sagen.“ Und vor lauter Schielen auf den Erfolg ist ihnen ganz egal, was mit den hochmotivierten Laienschauspielern ist? Wenn es nämlich so wäre, dann müsste man eben doch sagen, dass die erste Premiere der Saison richtig scheiße ist. Weil sie nämlich Ausbeutung ist, Ausbeutung hochmotivierter Schauspieler, die sich nicht wehren können, weil sich niemand traut, ihnen zu sagen, was für ein Spiel man da mit ihnen spielt.

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