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Der Mob

3. September 2010

Wenn ich Gefahr laufe, zum Positive-Thinking-Monster zu mutieren, wenn ich glaube, dass die Menschheit im Großen und Ganzen eigentlich schon ganz in Ordnung ist, dann lese ich Internetforen. Oder die Kommentare auf welt.de. Oder Politblogs ohne strikte Moderation. Und hinterher sind die Verhältnisse wieder gerade gerückt: Die Menschheit, das sind doch in erster Linie spießige, rechte, intolerante Arschlöcher.

In Hamburg fand vergangene Woche eine Aktion gegen Mietwucher statt: Demonstranten aus dem Recht-auf-Stadt-Umfeld enterten eine Wohnungsbesichtigung im Schanzenviertel und funktionierten diese zur „Fette-Mieten-Party“ um. Ich will gar nicht sagen, dass ich solche Aktionen uneingeschränkt toll finde, Spaßguerilla hat für mich immer auch einen Hintergrund von: muss man nicht so ernst nehmen, ist mehr Kunst als Politik, ist viel zu nett, ist zu Ende gedacht eigentlich systemstabilisierend. Andererseits: Immerhin macht mal jemand was.
Egal, die Aktion fand statt, und weil die Recht-auf-Stadt-Öffentlichkeitsarbeit auf Zack ist, gab es auch eine ganze Menge Medienaufmerksamkeit. Unter anderem Spiegel Online berichtete, wobei ich es aus journalistischer Sicht problematisch finde, dass diesen Bericht ausgerechnet Christoph Twickel schrieb, Twickel, der zwar einerseits ein profunder Kenner der Themen Gentrifizierung und Kultur des urbanen Raumes ist, auf der anderen Seite als einer der Väter von Not in our Name, Marke Hamburg leider auch alles andere als ein überparteilicher Beobachter ist. Nunja. Twickel auf jeden Fall berichtete, und der Bericht war gut, was will man mehr.

Andere Menschen. Andere Leser. Vor allem: andere Kommentatoren im SpOn-Forum:

135 Beiträge, and counting. Einer hasserfüllter als der andere, Marke: Der Markt wirds schon richten, und die langhaarigen Drecksäcke sollen besser ordentlich studieren anstatt im Szeneviertel von früh bis spät Party zu machen. „wieso bilden diese Leute sich ein, sie müssten billiger wohnen als andere Leute?“ (alle orthographischen Ungenauigkeiten: sic) schreibt „Europa“. „(…) wenn partout keine der machtnahen Parteien sich um dieses Thema kümmern will, muss das zum Studieren in die Big Bad City gekommene Bürgerfräulein halt auch mal zwei U-Bahnstationen weiter fahren, um in die „In“-Gegend zu kommen. Das wäre dann auch ein nachhaltig praktizierter Protest gegen den (gemeinten oder echten) Wucher; und „nachhaltig“ mögen wir ja“, meint „Wintermute“. „Anstelle sich ne billige Wohnung zu nehmen oder haerter zu arbeiten (ja … das geht auch) wollen sie top wohnen und das zum Minimalpreis. (…) Diese Billigkultur kotzt mich an. Wenn du was willst, musst Du dafuer arbeiten. Punkt!“ behauptet „Sitrom“. Und „na hoffentlich hatte jeder von den hipstern sein iPhone dabei und hat fleissig getwittert. rebellion ist schick!“ glaubt „Bobby Shaftoe“. So geht das immer weiter, zum Heulen.

Diese Menschen, das sind Widerlinge, misgünstig, hässlich und dumm. Ich will sie nicht sehen, ich will sie nicht haben. Ich will, dass sie weggehen. Ach.

2 Kommentare leave one →
  1. 3. September 2010 12:16

    Wenn Rebellion schick ist, dann frag‘ ich mich, warum keiner rebelliert. Genug Gründe gäbe es auf jeden Fall.

    • 3. September 2010 14:33

      Ach, schick, nicht schick, das sind doch nur Worthülsen. Frustgelaber von ungeküssten Spießern, die ganz genau wissen, was sie selbst nicht sind: schick. Dafür aber leider in der Mehrheit.

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