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Nicht so toller Sex

15. Dezember 2010

Nein, Janelle Monáe, es liegt nicht an dir. Es liegt an mir, an meiner schlechten Laune, man. soll. einfach. nicht. zerstritten. auf. ein. konzert. gehen. Es liegt am Publikum, Hamburg halt, O-Ton C.: „So ein Musikliebhaber-Publikum, das immer noch Michael Jackson und den Jackson 5 hinterhertrauert“ (sic) (das allerdings in Bezug auf das Berliner Konzert am Vortag, Deutschland halt). Es liegt daran, dass es Getränke nur in diesen ekligen Plastikbechern gab. Es liegt daran, dass man kaum etwas sah (O-Ton K.: „Das ist immer das Problem mit HipHop-, Soul- und Funk-Konzerten, ach, grundsätzlich mit Konzerten, die ein Publikum mit Migrationshintergrund anziehen: Big Hair!“). Es liegt am Sound, der über eine halbe Stunde breiig durch die Halle suppte, ein Indie-Laden wie das uebel & gefährlich gerät eben an seine Grenzen, angesichts deines eklektizistischen Souls, nein?
Es liegt nicht daran, dass sich niemand Mühe gegeben hätte, aber: Wenn da Leute auf der Bühne längere Zeit eskalieren, und im Publikum eskaliert rein gar nichts, dann wirkt das ein wenig, hm, bemüht. Wie ein vorgespielter Orgasmus. Es liegt nicht an der Band, dass die Gitarre ein Rocktier bedient, das tut, als sei es Eddie van Halen in den frühen Achtzigern, wusste ich ja schon vorher. Wahrscheinlich liegt es wirklich: an mir. Dass mir so unglaublich langweilig war, während des Konzerts.

Ganz sicher aber liegt es nicht an der Musik. Songs wie „Tightrope“, „Sincerely, Jane“, „Cold War“, „Come alive (War of the roses)“ sind einfach zu toll, als dass ein missglückter Abend sie kaputt machen könnte. Und mal ehrlich: Macht ein einziger, irgendwie nicht so toller Sex denn eine Beziehung kaputt?

Eben.

6 Kommentare leave one →
  1. 16. Dezember 2010 08:40

    Sehr schöner Konzertrückblick. Also zumindest beim Lesen war mir nicht langweilig.

  2. DerBenni permalink
    17. Dezember 2010 21:07

    Also in Berlin lag es meiner Meinung nach eindeutig daran, dass sie extrem unsympathisch rüberkam. Nicht einmal gelächelt, geschweige denn ein einziges Wort zum Publikum. Kein „Hallo Stadt xy“, kein „tschüss“,Danke!“, nichts.
    Da hilft es leider auch nicht, wenn alle auf der Bühne abgehen, Luftballons und Kunstschnee verteilen und wild rumhüpfen. Wenn man die ganze Zeit das Gefühl hat, dass ein Programm runter gespult wird, zu dessen Repertoire „persönlich sein“ nicht dazu gehört, dann wundert es nicht, dass alle Bemühungen der Band ins Leere laufen. Als am Ende alle in die Knie gehen sollten um dann gemeinsam auszurasten wirkte dieser plötzliche „hey, und jetzt ihr!“-Anflug umso unechter. Ich wäre nicht überrascht, wenn man morgen feststellen würde, dass dort eine einseitig verspiegelte Glaswand zwischen Bühne und Publikum mit auf Tour ist. Schade.

    • 18. Dezember 2010 08:43

      So wahnsinnig unsympathisch fand ich sie eigentlich gar nicht. Hochprofessionell, das schon. Man darf auch nicht vergessen, dass sie erstens vom Theater kommt und zweitens eine Kunstfigur auf der Bühne entwirft. Das sollte keine echte Kommunikation mit dem Publikum sein, das sollte eine Inszenierung sein – und diese Inszenierung funktionierte eben nicht richtig. Aber ob man das Monáe anlasten kann?

      • DerBenni permalink
        18. Dezember 2010 11:48

        Ich gebe dir ja völlig recht. Kunstfigur und Inszenierung funktionieren in meinen Augen nicht, weil der Funke nicht überspringt. Aber hat sie das ganze nicht entworfen oder es zumindest in der Hand. Da kann man ihr das schon anlasten. Egal, das Album bleibt ja toll. :)

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