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In die Berge

19. März 2011

Meine Mutter erzählt, dass ich schon recht früh gewusst hätte, was ein gelungener Familienurlaub sei. „In die Berge“ habe ich gewollt, mit großen Augen, also wurde viel in die Berge gefahren, ins Allgäu und nach Südtirol, auch mal nach Korsika, und jedes Mal sei ich begeistert gewesen. Bis auf das erste Mal im Winter, aber das scheint ein Missverständnis gewesen zu sein, ich hatte mich nach der Ankündigung, in die Berge zu fahren, auf ein Auffrischen der Erfahrungen vom Sommer gefreut, grüne Wiesen, nette Kühe, so in etwa, nicht aber von kaltem Pappschnee bedeckte Almen. Wie dem auch sei, ich wünschte mir, in die Berge zu fahren, meine Eltern hatten da auch nichts gegen, alle waren glücklich.
Zumindest zu Anfang. Je älter ich wurde, desto anstrengender schienen die Bergurlaube für meine Eltern zu werden. Für sie hieß „In die Berge“ Urlaub, zur Not mochte zwar auch einmal ein Gipfel bestiegen werden, alles in allem aber ging es um Erholung. Für mich hieß „In die Berge“ schon irgendwo Sport, immer weniger wollte ich einsehen, weswegen man einen Tag im Tal verbringen sollte, ein hübsches mittelalterliches Städtchen besichtigen, eine Burg oder ein Museum, wenn man doch auch auf den Berg steigen könnte. Über kurz oder lang musste ich mir Bergkameraden suchen, die nicht meine Eltern waren.
Mit Z., der mir aus der unrühmlichen Zeit bei den Pfadfindern geblieben war, ging ich zum Alpenverein, einen Einsteigerkurs belegen. Einsteigerkurs, das hieß: erste Wanderungen im Tiroler Grenzgebiet, Kletterübungen an den Felsen im Blautal, alles unter Anleitung von M., einem älteren Handwerker. M. machte seinen Job nicht schlecht, ich hatte Angst, in der Felswand zu hängen, aber am Ende konnte ich es. Z. hingegen lästerte über M.: Die Wanderungen nervten ihn, das Klettern sei nur was für Weicheier, ohnehin sei Bouldern viel besser als Klettern. Bouldern, das bedeutet, ohne Seil an kleineren Felsen höchstens zwei, drei Meter über dem Boden zu kraxeln, ich fand das sterbensöde. Ich wollte rauf auf den Fels, nicht ewig lange an einer Nahtstelle rumbosseln, das war für mich höchstens eine Aufwärmübung (und außerdem viel zu anstrengend, als dass ich mich darauf längere Zeit eingelassen hätte). Dass Z. und ich uns auseinanderlebten, lag auch an anderen Gründen, die Frage, ob man nun wandern sollte oder bouldern, trug aber ihren Teil bei.
Obwohl Z. übrigens böse über M. herzog, mochte dieser Z. Wen M. nicht mochte, das war ich. Überhaupt: Ich blieb einige Jahre beim Alpenverein, wurde aber nie warm mit diesen Menschen, die streng heterosexuell waren, konservativ, auch spießig. Weswegen ich aus Süddeutschland wegziehen wollte, verstanden sie nicht, war doch jeder Meter in Richtung Norddeutschland ein Meter weg von den Alpen. Warum ich nicht zum Bund wollte, war ihnen nicht klar, hätte ich dort doch zu den Gebirgsjägern gekonnt. Und dass ich damals für die Grünen trommelte, kapierten sie auch nicht, wollten die Grünen doch Kletterfelsen unter Naturschutz stellen und damit das Klettern verbieten. Meine Liebesgeschichte mit den Bergen, ein einzig großes Missverständnis. Ich ließ das Wandern dann auch entsprechend bleiben, kaum zog ich zum Studium aus Süddeutschland weg.

Vor einigen Jahren fing ich wieder an. Es geht mir immer noch darum, auf den Berg raufzukommen, es geht immer noch nicht um Erholung, aber es ist kein Sport mehr, ich will keine Höchstleistungen erringen. Ich will einfach nur laufen, auf den Berg. Vielleicht fühle ich mich deswegen auf der Kanareninsel Gomera so wohl: Gomera hat Berge, mehr oder weniger. Aber in Sichtweite steht der Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa, 3718 Meter hoch, da scheinen die Berge auf Gomera mit ihren nicht einmal 1500 Höhenmetern fast wie Hügel. Aber Vorsicht, Gomera hat ja alles: Felsgerippe, tiefe Schluchten, sogar einen Urwald. Grundsätzlich ist es einem auch egal, ob man in eine Felsspalte stürzt, die 1000 Meter tief ist oder in eine von 500 Metern. Gomera ist keine Schnullipulliinsel, sie hat ihre Reize, aber diese Reize haben keinen Eventcharakter.
Ich will keinen falschen Eindruck erwecken. Als ich auf Teneriffa war, blieb mir der Mund offen stehen, in der Vulkanwüste Canadas de Teide, das war ein tolles Erlebnis. Allerdings fährt man auf gut ausgebauten Straßen in die Canadas, mit unzähligen Mietwagen, mit unzähligen Ausflugsbussen. Es gibt dort die Felsformation Rogues Garcia, darunter den wirklich beeindruckenden Fels La Catedral, und dieser Fels hängt voller muskulöser, stylisher junger Menschen. Sie bouldern. Und später fahren sie mit ihren Mietwagen runter ans Meer, um zu surfen, nehme ich an. Auf Gomera dagegen bouldert niemand. Nirgends sehen die Felsen auf Gomera so spektakulär aus wie La Catedral, und das tut Gomera gut. Wer hier wandert, der macht keinen Sport, der will irgendetwas anderes von der Insel. Was, das habe ich noch nicht rausgefunden.
Aber es ist schön.

(Das Bild zeigt den Rogue de Agando auf La Gomera, knapp über 1000 Meter hoch. Früher konnte man an seinen Hängen klettern, heute ist das aus Naturschutzgründen verboten. Aber schöne, spannende Wanderungen lassen sich in seiner Umgebung machen. Und toll aussehen tut der Berg ohnehin.)

2 Kommentare leave one →
  1. 1. Mai 2011 03:01

    Das gestalten von Websites sollte Ihr besser einem Profi überlassen, schade der Kindergarten ist schon voll

    • 1. Mai 2011 10:49

      Genehmigen? Dieses orthografisch diskutable Geblöke? Ach, was solls, kost‘ ja nichts. Nur ein kleiner Hinweis: Das hier ist kein Kindergarten, das ist ein Abenteuerspielplatz. In dem jeder willkommen ist, sofern er sich zu benehmen weiß. Was mich noch interessieren würde: Wie hat jemand wie Sie eigentlich hierher gefunden? Über Google? Waren Sie „schauspielerin + intimrasiert“ oder „vögeln in der bahn“?

      Und jetzt zurück ins Riesengebirge.

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