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Ästhetik des Scheiterns (5): Topinambur

12. November 2011

Vorbemerkung:
Seit wöchentlich die Gemüsekiste hier ankommt, habe ich den freien Willen aufgegeben. Was okay ist, freier Wille ist eine Ideologie für FDP-Wähler, ich aber wählte noch nie FDP und unterwerfe mich entsprechend gerne einer höheren Entscheidung. Und wenn es nur die ist, das zu essen, was die Jahreszeit gerade hergibt und der Biobauer entsprechend liefert: Man muss sich einfach keine Erdbeeren im November kaufen, auch wenn man gerade Lust auf welche hat und der Wochenmarkt auch noch welche anbietet. Bislang fahren wir ganz gut damit, nur aktuell sind so komische, dreckige, kleine Knollen in der Kiste: Topinambur. Eine Art Esoterikerkartoffeln, von wo der Lieferant die Dinger importiert hat, möchte man gar nicht so genau wissen. Aber: „Heute wird Topinambur in fast allen Kontinenten angebaut, Hauptanbaugebiete befinden sich in Nordamerika, Russland, Australien und Asien. Sie wird zudem nur noch mit geringer wirtschaftlicher Bedeutung in Südfrankreich und den Niederlanden angebaut. In der Schweiz wird sie im Seeland wieder seit 1978 erwerbsmäßig angebaut. In Deutschland findet man nur kleine Anbaugebiete in Niedersachsen, Brandenburg und Baden“, klärt Wikipedia auf. Niedersachsen, na dann.

Versuchsanordnung:
1. Eine Stange Porree schälen, putzen und in dünne Scheiben schneiden. Eine Pastinake schälen und klein schnippeln. Eine große, getrocknete Chilischote klein schnippeln. Sechs bis sieben Topinamburknollen schälen und u.U. halbieren.
2. Porree in geschmolzener Butter anbraten. Pastinake, Topinambur und Chili zufügen, ungefähr zehn Minuten braten.
3. Mit 100 ml Weißwein (ich nahm den guten Hauswein vom Biomarkt, der hier schon fast eine Woche geöffnet rumsteht) ablöschen. 120 ml Milch und 500 ml Geflügelbrühe (Instant) zugeben. 20 Min. bei schwacher Hitze köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. Pürieren.
4. 120 ml Sahne zugeben. 30 g weiße Schokolade (ich nahm die allerbilligste aus dem Discounter) in Stückchen brechen und unterrühren. Mit Salz abschmecken.

Ergebnis: Optisch erinnerte die Suppe an einen Mischung aus Bananenmilch und Erbrochenem. Nicht wirklich schön. Geschmacklich aber ganz interessant: recht scharf (vielleicht eine kleinere Chilischote?), gleichzeitig fruchtig (der Weißwein!) und herzhaft (die Brühe!). Zum Servieren machte ich noch einen leichten Spiegel aus Trüffelöl auf der ersten Tasse, das war ein Fehler: Das Öl schmecke so intensiv, dass die spannende Geschmacksmischung stark, zu stark in den Hintergrund gedrängt wurde. Sonst: kann man lassen.

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