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Zurück in den Mutterleib, in die Fruchtblase

6. Dezember 2011

Und dann hat es sich eben doch gelohnt. Dass man sich durch den beginnenden Schneeregen geschlagen hat, bis zur Prinzenbar, wo man durchnässt ankommt, frierend und mit beschlagener Brille. Es hat sich gelohnt, zum Konzert von Dillon zu kommen, Dominique Dillon de Byington, Berliner Brasilianerin unter massivem Hypedruck, was bedeutet, dass man überhaupt nichts sieht, weil die kleine Bar bis unters Dach gefüllt ist mit blöde gackernden Spexjüngerinnen, die das gesamte Konzert über quatschen, quatschen und die Kontaktlinsen verlieren. Was aber andererseits auch nicht besonders schlimm ist, weil es ohnehin nichts zu sehen gibt, Dillon steht fast das gesamte, kurze Konzert über hinter einem riesigen E-Piano, unbewegt, berührt, dazu programmiert Tamer Özgönenc basslastige Beats, die den Kronleuchter vibrieren lassen, das ist alles. Und wäre nicht besonders viel, würden einem die Songs auf Dillons Debüt „This Silence kills“ nicht so nahe gehen, dunkler Chansonpop, mal Soap & Skin, mal Siouxsie, mal Kate Bush, eine Helene Hegemann des technoiden Gothpop. Und dann hört man diese traurigen, wütenden, wummernden Chansons, und dann verliert man sich ein wenig, im stuckbesetzten Pseudobarock dieses wahrscheinlich schönsten Clubs der Stadt, dann fällt man zurück in den Mutterleib, in die Fruchtblase. Und dann weiß man, dass es sich eben doch gelohnt hat, den ganzen weiten Weg, ja.

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