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Du. Musst. Dein Leben. Ändern.

14. Dezember 2011

Der Herr hier links, das ist PeterLicht. Beziehungsweise, das ist Meinrad Jungblut, der Mann, der der Kunstfigur PeterLicht ein Gesicht gibt. Beziehungsweise, das ist der Mann, der vorgibt, Meinrad Jungblut zu sein, auch dieser Name soll nur ein Künstlername sein und möglicherweise für Peter Pichler stehen. Ach was, bevor hier irgendwelche Gerüchte ins Kraut schießen, natürlich ist das nicht PeterLicht, das ist der geschätzte Kollege aus dem Nachbarbüro und aus dem Nachbarblog, der immerhin im aktuellen uMag ein aufschlussreiches Interview mit PeterLicht oder wem auch immer geführt hat. Lange Zeit dachte man, das sei die große Qualität dieses Autors, Musikers, Theatermachers: dass er es geschafft hat, in einem Popkontext, also: in einer Welt, die wie keine andere auf Abbildbarkeit beruht, hinter einem Zeichensystem zu verschwinden. Kein Gesicht, keine Identität. Ein Phantom.

Blödsinn. PeterLicht, wer immer das auch sein mag, hat ein Gesicht: Es ist das Gesicht eines Herrn mittleren Alters mit schütter werdendem Haar, Dreitagebart, großer Brille. Man sieht es bei dem Konzert auf Kampnagel, der Herr dort auf der Bühne bittet einzig darum, keine Fotos zu machen. (Ein paar Blitzlichter sind dennoch zu sehen, es ist egal.) Was hier passiert, ist kein kunstvolles Unterlaufen des Bilderzwangs im Pop, es ist wahrscheinlich viel einfacher – PeterLicht ist wahrscheinlich unglaublich schüchtern. Außerdem hat er, das muss man sagen, keine nennenswerte Bühnenpräsenz. Und er kann nicht besonders singen, das macht nichts, die besten Sänger sind eigentlich Nichtsänger, aber irgendwie schafft er es nicht, aus diesem Nichtsängertum eine eigene Qualität zu machen. Die Tatsache, dass man das auf den extrem professionell produzierten, man könnte sogar sagen: überproduzierten Platten kaum raushört, stützt diese These. Diesem Menschen ist es unangenehm, dass man die Limitiertheit seiner musikalischen Mittel deutlich raushört.
Was hilft, ist die Band. Die ist sehr, sehr gut, fast könnte man behaupten, dass da vier Mucker stehen, die dem in die Ecke verdrückten Sänger eine Basis bieten, auf der er seine klugen Texte, seine von Platte zu Platte lieblicher werdenden Melodien ausbreiten kann. Alleine, es funktioniert nicht. Eigentlich klappn nur die schnellen, schlagerhaften Songs, die Hits, „Alles was du siehst gehört dir“, „Neue Idee“. Wo die Songstrukturen aber diffiziler werden, bei „Sagt mir, wo ich beginnen soll“ etwa, bricht die Dramaturgie des Konzerts vollkommen in sich zusammen, bleibt nur noch prätentiöses Gewummer, etwas, das irgendwie Kunst sein soll und das Warten auf den nächsten Hit. Es ist, tut mir leid, dann eben auch ziemlich langweilig.

Ich kenne die Theaterarbeiten von PeterLicht für die Münchner Kammerspiele und fürs Berliner Gorki nicht. Schade eigentlich, ich erwarte da viel, ich erwarte das Kluge, Durchdachte, das das musikalische Konzept dieses Künstlers ausmacht. Ich erwarte den Witz seiner Literatur (für die er immerhin den Publikumspreis sowie den 3sat-Preis beim Bachmannwettbewerb bekam, das ist ja nicht nichts). Ich erwarte Songtexte, die sich in ihrer Lieblichkeit im Ohr festsetzen und dort dann ihr Gift entfalten: „Du musst dein Leben ändern“. Ich erwarte nur nicht: dieses komische Hin und Her eines Menschen, der irgendwie nicht auftreten will, dann aber trotzdem auf der Bühne steht. Als Regisseur, nämlich, muss er das ja nicht.

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