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Ästhetik des Scheiterns (2): Fleisch

1. November 2010

Also war ich Vegetarier. Beziehungsweise: Vegetarier war ich ziemlich genau einen Monat lang, angeregt durch Frau Bogdans Übersetzerinnenbegeisterung für Jonathan Safran Foer und dem in diesem Zusammenhang stehenden Erweckungserlebnis, dass Veganes durchaus lecker sein kann. Mit Einschränkungen beim Nachtisch, aber da ist die Übersetzerin auch anderer Meinung als ich, sei es drum. Also war ich Vegetarier. Ausnahme war der Moment, als mir beim Abendessen einfiel, dass ja noch Wurst im Kühlschrank ist und es keinem Tier nutzt, wenn ich die verderben lasse. Eine Ausnahme war, als T. zu Besuch kam und essen wollte, und das einzige Gericht, das die Schauspielhaus-Kantine um 15 Uhr noch vorrätig hatte, „Meatballs Toscana“ waren. Und eine weitere Ausnahme war die Woche in Katalonien, als ich um keinen Preis auf die landestypische Küche verzichten wollte.

Aber ansonsten war ich also Vegetarier, vier, gut, drei Wochen lang. Mit Unterstützung der schönen, klugen Frau, die mir die Schultern stärkte, und die ihre Unterstützung vorgestern zurückzog, nachdem ich Couscous mit Hühnchen statt mit Hühnchen mit Tofu zubereitet hatte. Heute abend habe ich Wurst gekauft, Cabanossi und Paprikasalami und kalten Braten, und es war sehr, sehr lecker. Ich bin gescheitert, aber aus dem Scheitern ziehe ich meine Kraft.

+++

Außerdem bin ich seit fünf Monaten bei WordPress, Zeit für ein kurzes Resümee. Also: Ich werde wohl bleiben. Weil WordPress eine für meine Bedürfnisse ziemlich gute Bloggingplattform ist; mir machen die Beitragsstatistiken Spaß, die Besucher sind gut im Blick, der Schutz vor Kommentarspam funktioniert ganz akzeptabel. Natürlich sperrt mich WordPress in ein enges, manchmal zu enges, Korsett, aber das ist das ewige Problem mit formatierten Strukturen, da muss ich wohl mit leben.
Womit es mir schwerer fällt, zu leben, das ist das Umfeld: WordPress zieht allem Anschein nach politisch schwierige Blogger an, das geht los mit dem sozialchauvinistischen FPÖ-Parteiblog „SOS Österreich“ (wird wie alle anderen Rechtsblogs nicht verlinkt, weil ich die Brüder nicht hierher in den Kommentarbereich locken will) über die Nazi-„Rapperin“ „DeeEx“ und rechte Verschwörungstheoretiker wie den „Honigmann“ bis hin zu klassischen Islamfeinden wie „Tangsir 2569“ und Israelfreunden wie „Heplev“. Das ist alles nicht schön, wenn ich schon beim Einloggen sehe, wie „SOS Österreich“ schon wieder als „Heute angesagtes Blog“ gelistet wird. Andererseits: Es gibt sie ja, die Freiheitlichen, die Verschwörungstheoretiker und die Islamhasser, und wo soll ich sie treffen, wenn nicht im Internet? Wo soll ich ihre Argumente hören, ihre Selbstgewissheit und ihre rhetorische Unbedarftheit, wenn nicht hier? Ich will nicht mit diesen Idioten leben, aber ich muss mit ihnen leben, hilft alles nichts.

Und ansonsten ist es hier ja auch wirklich schön.

4 Kommentare leave one →
  1. 1. November 2010 22:52

    Ach wat, es gibt ja nicht nur ent oder weder, es ist doch schon gut, wenn man ein bisschen drüber nachdenkt, woher das Fleisch kommt, das man isst, und wenn man vielleicht ein bisschen weniger isst. „Scheitern“ klingt immer gleich so großartig.

  2. 1. November 2010 23:06

    Stimmt ja alles. Nur bin ich damit wieder an der Stelle, an der ich schon vor drei Jahren war. Aber vielleicht ist diese Stelle ja gar nicht die schlechteste.

  3. 2. Mai 2011 09:48

    naja, wordpress kann man ja auch mit ner eigenen Domain nutzen, dann begegnet man beim einloggen hoechstens mal sich selber…Ich war uebrigens fast sechs Jahre lang Vegetarierin. Danach hat mich meine Hautaerztin dazu ueberredet wenigstens einmal im Monat ein saftiges Steak zu essen und inzwischen esse ich fast jede Woche mal Fisch oder Fleisch.

    Aber gescheitert bin ich auch schon oft und manchmal sogar mit Aesthetik (wenn ich da so an meine Gesangsversuche denke…)

    trotzdem fange ich immer wieder was Neues an. Gerade ein Blog ueber Internet Kunst….

    Warum nennen Sie sich eigentlich Zahnwart? Gehoeren Sie vielleicht zu den seltenen Menschen, die keine Angst vorm Zahnarzt haben?

    Ich heisse Dievommond, weil ich es wirklich bin. Ich lebe in Shanghai, aber urspruenglich komme ich vom Mond und eine Freundin von mir kommt sogar von hinter dem Mond, nennt sich aber Mondschaf…und das ist noch nicht einmal ein schlechter Witz, sondern nur eine merkwuerdige Tatsache….

    liebe Gruesse!

    • 2. Mai 2011 09:53

      Oh doch, ich habe große Angst vorm Zahnarzt … Keine Ahnung, weswegen „Zahnwart“, ich glaube, mir gefiel einfach der Klang des Wortes. Und irgendwie ist es dann dabei geblieben.

      Und, ja, Wordress mit eigener Domain, darüber denke ich auch immer intensiver nach. Einerseits. Andererseits: Worüber sollte ich mich dann noch aufregen? Womöglich über mich selbst? Ach!

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