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Wie konnte das alles nur so den Bach runter gehen? (Teil 3)

27. August 2011

Was bisher geschah: Seit 2001 entwickelt sich Berlin unaufhaltsam zur Kulturmetropole. In Hamburg nimmt man den Wettbewerb gar nicht erst auf und versucht eher, München zu kopieren, allerdings ohne die Vorzüge Münchens.

3. Christoph Ahlhaus
Geboren 1969 in Heidelberg. Seit 2001 in Hamburg, seit 25.8.2010 Nachfolger von Ole von Beust als Bürgermeister, am 20.2.2011 mit einem historisch schlechten Ergebnis von knapp 22 Prozent abgewählt. Stellte Ole von Beust den linken Rand der Hamburger CDU dar, so war Ahlhaus der rechte Rand (beides Einschätzungen, die mehr mit Image zu tun hatten als mit realer Politik, klar). Eine Figur, die es nicht wert ist, eigene Gedanken auf sie zu verschwenden, eine Figur, die es dennoch geschafft hat, zumindest im Kulturbereich kaputt zu machen, was sich noch kaputt machen lässt. Leben im Zitat.

Und ein historisches Foto vom Sonntagmorgen, das den Ole-von-Beust-Nachfolger in Sonntagskluft zeigt. Auch jung. Theoretisch. Auch ein Mitglied der neuen politischen Generation. Theoretisch. Praktisch doch eher: der älteste 40-Jährige Hamburgs.

Zwei Männer auf einem Bild. Einer geht, einer kommt. Einer steht für Vergangenheit, einer für Zukunft. Einer für das, was war, einer für den Aufbruch. Paradox ist bloß: Man sieht es nicht. Der, der nach Metropole aussieht, hat keine Lust mehr. Und der, der nach Delmenhorster Fußgängerzone aussieht, ist das politische Signal.

(Maike Schiller im Hamburger Abendblatt, 20.7.2010)

„Als Bürgermeister habe ich entschieden, das Orchester zu erhalten. Punkt.“ Dieser Satz von Kurzzeit-Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) im September 2010 löste nicht nur allgemeines Kopfschütteln aus, sondern läutete das Ende seiner Amtszeit ein. Denn während überall gespart wurde, blieben die teuren Pauken und Trompeten der Ordnungshüter unangetastet.

(Kein Autor, Hamburger Morgenpost, 7.8.2011)

Der Interimsbürgermeister hat in den vergangenen Monaten demonstriert, dass er mühelos in der Lage ist, so ziemlich alles falsch zu machen, was man in der Hansestadt nur falsch machen kann.

Dort ist man traditionell stolz auf seinen Stil und die – angeblich – hanseatische Zurückhaltung. Doch ausgerechnet in dieser Königsdisziplin hat der einst aus Heidelberg Zugereiste noch deutlich Potential. Immer wieder schaffte es Ahlhaus in den vergangenen Wochen, sich mit seinem mangelnden Gespür für die richtigen Worte, Gesten und Symbole ins Abseits zu manövrieren.

So seufzte das vornehme Hamburger Bürgertum indigniert, als das stattliche Stadtoberhaupt mit seiner Gattin in Abendkleidung im feinen Hotel Vier Jahreszeiten an der Binnenalster für die Society-Postille „Bunte“ posierte, und schüttelte sich, wann immer der Bürgermeister öffentlich gestand, er nenne seine Simone neuerdings „Fila“. Für First Lady.

(Gunther Latsch im Spiegel, 5.1.2011)

Hart geht Peiner mit seinem Parteifreund, Kurzzeitbürgermeister Christoph Ahlhaus, ins Gericht: „Es fehlte ihm ein Konzept zur Zukunft der Stadt ebenso wie die Vorstellung davon, wie er personell nach außen hin einen Neuanfang signalisieren könnte. Das Festhalten am Sparprogramm von Finanzsenator Frigge zeigte darüber hinaus ein mangelndes Verständnis für die Themen Kultur und Soziales. Innerhalb weniger Wochen wurde der Ruf Hamburgs als Kulturmetropole von Rang zerstört.

(Matthias Iken im Hamburger Abendblatt über die Erinnerungen von Ex-Finanzsenator Wofgang Peiner (CDU), 22.8.2011)

Neben Ahlhaus schafft es sogar Peter-Harry Carstensen locker und weltmännisch zu wirken. Der Kieler Ministerpräsident ist (…) nach Wandsbek gekommen, um Ahlhaus im Wahlkampf zu unterstützen. Normalerweise ist Carstensen so mondän wie ein friesisches Regencape. Aber heute ist er es, der, die Händen in den Hosentaschen, mit Fischverkäuferinnen schäkert und der routiniert zurückblafft, als ein Pöbler Kritik an der CDU übt. Ahlhaus ringt währenddessen um die richtigen Worte.

(Michael Schlieben in der Zeit, 14.2.2011)

Das Gute an Ahlhaus: Egal, was nach ihm kommen würde, es konnte nur besser werden.

to be continued

P.S. Die Artikel aus dem Hamburger Abendblatt sind, wie bei den Springer-Lokalmedien üblich, hinter einer Bezahlschranke versteckt – weil ich aber im Gegensatz zu verschiedenen Politikern ein Freund des korrekten Zitats bin, sind sie hier dennoch verlinkt. Und kluge Leser wissen ohnehin, wie man die Schranke umgeht, nein?

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